Unser schönes Bollendorf

Bollendorf ist eine Ortsgemeinde im Eifelkreis Bitburg-Prüm in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Südeifel an, deren größte Kommune sie mit 1.644 Einwohnern ist. Bollendorf ist ein staatlich anerkannter Luftkurort.

Bollendorf liegt im Deutsch-Luxemburgischen Naturpark, direkt an der Grenze zu Luxemburg. Die Sauer ist der Grenzfluss zwischen beiden Staaten. In Bollendorf befindet sich ein Grenzübergang nach Bollendorferbrück/Bollendorf-Pont (Gemeinde Berdorf).

Zu Bollendorf gehören auch die Wohnplätze Altschmiede, Diesburgerhof (PLZ 54668), Dillingerbrück, Laufenwehr, Neu-Diesburgerhof (PLZ 54668), Pölsenhof, Sonnenhof, Weilerbach und Westerheld.

 

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahre 716 als villa bollana. Es handelte sich dabei um die Schenkung der Gemarkung durch Herzog Arnulf an die Abtei Echternach. In einem Bestätigungsakt von Karl III. von Westfranken aus dem Jahr 915 findet sich erstmals der Name Bollendorf. Bereits zum Ende des 10. Jahrhunderts übten die Grafen von Luxemburg landesherrliche Rechte aus, bis zum Ende des 13. Jahrhunderts trugen die Ritter von Bollendorf als Ministeriale die Bollendorfer Güter zu Lehen. Die grundherrlichen Rechte waren zwischen der Abtei Echternach und dem Klarissenkloster Echternach lange Zeit umstritten. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Bollendorf zur luxemburgischen Propstei Echternach.

Zwischen dem ausgehenden 18. Jahrhundert und dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren große Teile der arbeitsfähigen Bevölkerung im Zusammenhang mit Eisenabbau, -schmelze und -verarbeitung im nahegelegenen Weilerbach beschäftigt. Nach der Stilllegung der Hütte wurden viele Einwohner zu Pendlern nach Luxemburg. Heute stellt der Fremdenverkehr die Haupteinnahmequelle.

 

Beschreibung des Bollendorfer Wappens:

„Wappen gespalten von Silber und Gold, vorne am Spalt ein halber, rotbewehrter schwarzer Adler, hinten ein schwarzes Balkenkreuz.“

 

Wappenbegründung:

Die linke Schildhälfte mit dem halben Reichsadler weist auf die historischen Beziehungen zur ehemaligen Reichsabtei Echternach hin, der rechte Teil stellt das Wappen des Rittergeschlechts „von Bollendorf“ dar.

Text und Fotos von Paul Colljung zum 120-jährigen Jubiläums des Tourismus in Bollendorf im Jahr 2003: 

 

Es wird kein großes Jubiläumsfest gefeiert, aber erinnern wird man sich in Bollendorf in diesem Jahre an Gründerzeiten und Gründerväter.

 

Wer hat wann und wie Zeitgenossen darauf aufmerksam gemacht, in diesem anmutigen Flusstal, eingebettet zwischen hohen und bewaldeten Felsenbergen Erholung zu finden?

 

Man weiß, dass sich Römer, Franken und Klosterleute hier wohlfühlten.

Einem Mann wohl sollten alle touristischen Vereinigungen von hüben und drüben ein Denkmal setzen: dem rheinischen Romantiker Joseph von Görres

Er kam 1814 als Direktor des öffentlichen Unterrichtes in das von den damaligen Alliierten geschaffene Generalgouvernement nach Echternach, da die Franzosen die Hauptstadt des Wälderdepartements noch besetzt hielten. Er, genannt der "Gelehrte aus Coblenz" unternahm bei seinem Echternacher Aufenthalt ungezählte Wanderungen in der Gegend. Seine Feder wurde nicht müde, im "Rheinischen Merkur" über das Echternacher Felsenland, das "Mühlenthal", über Felsenburgen bis hin zum Fraubillenkreuz in einer sehr romantischen Art zu berichten. Selbst Victor Hugo, von französischen Herrscherhaus auf die britische Kanalinsel Guernsey verbannt, besuchte das Sauertal. Eine wesentliche Zeit der Verbannung verbrachte der große Romancier noch zudem in Vianden, wo er auch literarisch wirkte und zudem Reiseberichte verfasste. Um 1860, als die Hauptverkehrsstraße mal links oder rechts von Our und Sauer führte, wäre er beinahe in einer Furt bei Bollendorf ertrunken.

 

Als die Sauertallinie der luxemburgischen Prinz-Heinrich-Bahn 1873 eingeweiht wurde, eröffneten sich Echternach völlig neue touristische Möglichkeiten. Schon 1876 wurde dort ein Verschönerungsverein gegründet, der zunehmend ein Wanderwegenetz ausbaute. Der Name "Kleine Luxemburger Schweiz" ist seit dieser Zeit ein Begriff für Wanderer.

 

Die Nachbarn schauten, insbesondere auch die Bollendorfer auf Echternach.

 

Hotel Burg Bollendorf wurde anno 1883 von Familie Barreau eröffnet. Der Hauptverein des Eifelvereins wurde 1890 in Bonn gegründet, dem sich 1898 die Gründung der Bollendorfer Ortsgruppe anschloss. Der Hauptverein nahm neben dem eigenen hiesigen Wegenetz auch die Wanderwege auf luxemburgischer Seite in sein Kartenmaterial auf.

 

Als Bollendorf anno 1905 elektrischen Strom und 1910 eine Wasserversorgung erhielt, wurden die ersten Hotels hiermit ausgestattet. Am 19. und 20. Mai 1901 war die große Eifelvereinshauptversammlung mit abendlichem Fackelzug in Bollendorf. Der Ort wird 1904 in die Liste der Kur- und Badeorte aufgenommen. Als Vollpension 1,50 RM bis 7,-- Reichsmark kosteten.

Als eine Pionierleistung wird die Herausgabe eines "Führers durch Bollendorf und Umgebung" im Jahre 1911 angesehen.

 

Wanderkarte, 1450 Seiten und 60 Illustrationen, auch von Fritz von Wille, sind ein wertvoller Wanderbegleiter. Man wundert sich im beschaulichen Dorf über sogenannte "Sommerfrischler", die auch werktags umhergehen ohne zu arbeiten. Die Hotels bieten Zimmer an mit elektrischem Licht.

 

Burg Bollendorf wird geführt von Louise Barreau und Bruder Eduard betreibt Hotel-Pension Waldvilla mit Tennis und Kricketplatz, beide mit Bädern. Der Pensionspreis von 1,50 bis 7,-- Reichsmark darf nicht blenden: ein Schreinermeister verdiente bei 10 Arbeitsstunden pro Tag 3,50 RM.

 

Das Städtchen Echternach erlebt die Hauptversammlung des Eifelvereins 1912 mit Wanderung zur Hohllay. In diesem Jahr wurden auf Burg Bollendorf offiziell 1239 Gäste gezählt. Der I. Weltkrieg lähmt jeglichen Tourismus. Gästebetten dienen jetzt als Soldatenunterkünfte.

 

Eine schwere Nachkriegszeit brachte dem Erholungsort noch auf viele Jahre keine Gäste. Die touristischen Betriebe im grenznahen Luxemburg hatten die Folgen des I. Weltkrieges am ehesten überwunden.

 

Aufgebraucht waren in zwei Jahrzehnten die bunten Aufkleber in großem Briefmarkenformat mit Ortsansicht und Aufdruck "Bollendorfer Sauerschweiz". Aus dem Hotel Burg Bollendorf war eine Höhere Töchterschule der Ursulinen geworden. Sonnenhof Hotel Waldvilla war vorübergehend als Privatsanatorium von Pfarrer Neuens genutzt worden, der von hier aus sein neues Institut "Heliar" in Weilerbach gründete.

 

Der Tourismus kam Ende der zwanziger Jahre recht in Gang, da immer mehr Wanderer die Gegend schätzen lernten. So bescherte das Ferienwerk "Kraft durch Freude" dem Dorf viele Gäste, in dem es nun auch viele Gästebetten in Privathäusern gab. Mit Beginn des Westwallbaus 1937 war der Tourismus völlig beendet. Alle Gästebetten wurden von dienstverpflichteten Arbeitern und dann von einquartierten Soldaten der Wehrmacht belegt.

 

Unheilvoll verlief der II. Weltkrieg auch für Bollendorf. Neben vielen Toten kam eine achtzigrozentige Zerstörung des Dorfes hinzu, als hier von September 1944 bis Februar 1945 die Front verlief.

 

Eine arme Nachkriegszeit ließ dennoch den Wiederaufbau gedeihen. Touristische Traditionshäuser und Privatanbieter beherbergten nach der Währungsreform 1948 wieder die ersten Gäste. Mitglieder des Eifelvereins setzten die Wanderwege instand. So schlug 1952 die Geburtsstunde des Bollendorfer Verkehrs- und Gewerbevereins. Der Waschkrug und Toiletteneimer gehörten zur Zimmerausstattung. Vonnöten war ein WC im Haus und sehr bald auch die Etagendusche. Neben Traditionshäusern hatte das neueröffnete "Haus Hügel" einen hohen Anteil an touristischer Pionierarbeit der Nachkriegszeit.

 

Das Urlaubs- und Freizeitverhalten der Gäste in den fünfziger Jahren war genügsam. Die Menschen kamen her mit der Bahn und den Anschlussbussen.

 

Mit Gelassenheit wartete man in ein- oder zweiwöchiger Urlaubszeit auf Urlaubswetter für kleine Unternehmungen. Trotz schrecklicher Kriegsgeschehnisse war dem Erholungssuchenden die Natur erhalten geblieben.

 

Ein bestehender Handwerkerverein konnte nicht die notwendige touristischen Infrastruktur in Gang setzen. Auf Empfehlung des Fremdenverkehrsamtes Trier waren zur Gründungsversammlung am 13.03.1952 als beratendes Gremium nach Bollendorf gekommen die Herren Reichsbahnrat Schwarz, Direktor Schnadt vom Landesverkehrsverband Rheinland-Pfalz und der Vorsitzende Plein vom Hotel- und Gaststättenverband des Kreises Bitburg. Die Gründungsversammlung wählte folgendes Mitglied in den Vorstand: Zahnarzt Alois Beyer als 1. Vorsitzender, ferner Hans Poecker, Otto Triesch, Robert Maiers, Günter Schenten, Hermann Nübel, Johann Bermes, Leo Colle, Leo Simon und Paul Michels. Von Alois Beyer übernahm Paul Michels den Vorsitz. Neues Leben brachte als Vorsitzender Günter Schenten in den Verein von 1960 bis 1969. Die Gemeinde zog mit. Vom Gelände der Allee mussten Bauschutt, Bau- und Brennholz sowie Wäscheleinen entfernt werden für die Neugestaltung der Anlagen. Ein erstes Büro wurde eingerichtet im Gemeindehaus in der Neuerburger Straße 14.

 

Werbestrategien, erste Faltblätter und Prospekte, Anzeigen unter dem Titel "Ein Dorf sucht Kontakt" brachten Erfolge. Verträge wurden abgeschlossen mit dem Reiseunternehmen Kütha aus Solingen und dem Eschweiler Bergwerksverein. Belebend waren auch die Gründung und Aktivitäten des Vereins Naturpark Südeifel 1958. Das Wanderwegenetz mit neuen Wanderkarten wurde völlig erneuert. Im Jahre 1969 wurde die große "Grenzland"-Jugendherberge eingeweiht. Von 1970 bis 1977 war Franz-Josef Wuth Vereinsvorsitzender. Ein neues Büro wurde am Sauerstaden eröffnet. Ein Freizeitzentrum und Freibad wurde 1976 eingeweiht. Das moderne "Nomadentum" von Gästen nahm große Formen an, indem es im Bereich der Gemeinde Bollendorf drei große Campingplätze gibt. Ab 1978 führte Kurt Allar den Verein. Bekannte Zeitgenossen von Film, Sport und Fernsehen sah Bollendorf in seinen Mauern. Ein Werbeprospekt "Perlen der Südeifel" führte 1981 in Bollendorf mit den Betten in Bollendorf-Pont 23 Hotels und Pensionen, 120 Ferienwohnungen mit 1.400 Gästebetten auf. Veranstaltungen mit Funk und Fernsehen, ein Lesesaal, Wanderungen und Ausflugsfahrten Dia-Abende, Kurkonzerte belebten das touristische Angebot. Bollendorf ist wieder Luftkurort mit eigenem Wappen.

 

Die eingeführte Kurtaxe deckt nur einen geringen Kostenanteil aller Aufwendungen, die vom Verein und der Gemeinde für den Tourismus zu leisten sind.

 

Positiv erwies sich die Verlegung des Büros Tourist-Information vom Gemeindebüro in das frühere Zollhaus. Es darf zudem angeführt werden dass nur durch Zusammenwirken von Verkehrsverein, Gemeinde, Verbandsgemeinde und Arbeitsamt der Betrieb dieses Büros mit Fachkraft finanzierbar ist.

 

Das Dorf hat viele gute Gästehäuser, Hotels, schöne Anlagen und Freizeitmöglichkeiten. Ehrwürdige Kulturdenkmäler inmitten von Wasser, Wald und Felsen gelegen, sowie Burg Bollendorf, Schloss Weilerbach und Villa Rustica dürften nach wie vor den Gast nach Bollendorf ziehen.

 

Die interessante Lage zur Grenznähe im Städtedreieck Echternach, Luxemburg und Trier sind ein weiteres Kapital.

 

Chronik zur Ortsgeschichte erschienen

 

Anlässlich des Apfelfestes am 16./17. September 2016 ist eine Chronik zur Geschichte Bollendorfs erschienen.

Das Heft versteht sich als Abschluss der Feierlichkeiten zum 1300-jährigen Ortsjubiläum. Der Autor Dr. Michael Weidert hat versucht auf fast 60 Seiten die wichtigsten historischen Ereignisse zur Geschichte Bollendorfs aufzulisten. Ergänzt wird diese Datensammlung durch einleitende Texte zur jeweiligen Epoche und durch eine Vielzahl von historischen Fotografien und aktuellen Dorfansichten.

Das Werk ist sicherlich gleichsam interessant für alle aktuellen und ehemaligen Bollendorferinnen und Bollendorfer, wie für alle auswärtigen Gäste und Freunde, die sich für die Ortsgeschichte und ihre Zusammenhänge interessieren.

Die Chronik ist an folgenden örtlichen Verkaufsstellen zum Preis von 10 Euro erhältlich: in der Boutique „Mona Lisa“, in der „Kurapotheke“ und im Haus des Gastes „Abteihof“ (alle Neuerburger Straße).

 

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