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BOLLENDORF
UNSERE GESCHICHTE

Wappen Bollendorf - Gemeinde Eifel Urlaubsziel

Beschreibung des Bollendorfer Wappens:

„Wappen gespalten von Silber und Gold, vorne am Spalt ein halber, rotbewehrter schwarzer Adler, hinten ein schwarzes Balkenkreuz.“

 

Wappenbegründung:

Die linke Schildhälfte mit dem halben Reichsadler weist auf die historischen Beziehungen zur ehemaligen Reichsabtei Echternach hin, der rechte Teil stellt das Wappen des Rittergeschlechts „von Bollendorf“ dar.

Ein kurzer Überblick zur Geschichte Bollendorfs
Von Dr. Michael Weidert

Wer Bollendorf und das Sauertal mitsamt den angrenzenden Hochplateaus besucht, betritt eine seit Jahrtausenden besiedelte und vom Menschen umfassend gestaltete Geschichts- und Kulturlandschaft. Egal ob per Fahrrad oder auf klassische Weise zu Fuß: überall lassen sich Spuren der bewegten Historie einer europäischen Kernregion entdecken. Neben vorzeitlichen Menhiren und uralten Fliehburgen stößt der geschichtlich Interessierte hier auch auf mittelalterliche Überreste und wahre Kleinode der barocken Schloss- und Kirchenbaukunst.


Im Folgenden sollen hier die wichtigsten historischen Ereignisse und Prozesse skizziert werden, die in der abwechslungsreichen Geschichte des Ortes Bollendorf eine zentrale Rolle gespielt haben. Dies kann an dieser Stelle nur in sehr geraffter, zusammenfassender und lückenhafter Form geschehen. Wer mehr über den geschichtlichen Wandel des Ortes und der Umgegend erfahren möchte, sei auf die beiden am Ende genannten Schriften und die einschlägige regionalgeschichtliche Forschungsliteratur verwiesen.

Vorgeschichte und Antike

Die Zeit der ersten Menschen in unserer Heimat ist uns nur durch archäologische Zeugnisse (Bodenfunde) und deren Interpretation zugänglich. Zunächst führten die Bewohner der Sauertales und der angrenzenden Hochplateaus ein Leben in ständiger Bewegung: als Jäger und Sammler durchstreiften sie die Gegend und ernährten sich von dem, was die Natur ihnen lieferte. Eng mit dem natürlichen Lebensraum verbunden, dürften sie als Nomaden ein hartes und anstrengendes Leben geführt haben. Die ältesten zivilisatorischen Spuren im Bereich des Sauertales sind annähernd 350.000 Jahre alt. Auch aus der Mittleren Steinzeit (ca. 11.500 bis 4.000 v. Chr.) finden sich Siedlungsspuren und in der Jungsteinzeit (ca. 5.500 bis 1.800 v. Chr.) errichteten die Bewohner des Ferschweiler Plateaus große Steine (Menhire), die mit hoher Wahrscheinlichkeit vor allem eine kultisch-religiöse Funktion hatten.

 

Heute tragen diese Monumente merkwürdige Namen wie "Druidenstein", "Fraubillenkreuz" oder "Opferaltar" und können bei Wanderungen rund um Bollendorf in Augenschein genommen werden. Mehrfach wechselten in der Folgezeit die Kulturschichten (so fanden sich etwa Überreste der Bandkeramiker, der Glockenbecherkultur und der eisenzeitlichen Hunsrück-Eifel-Kultur), bevor etwa seit dem 9. Jahrhundert v. Chr. allmählich die keltische Zivilisation auch in der Südeifel bestimmend wurde. 


Mit der Eroberung Galliens durch Julius Caesar (58 bis 51 v. Chr.) kam die römische  Zivilisation und die hier siedelnden keltischen Treverer scheinen die Errungenschaften italischer Lebensart gerne angenommen zu haben. Durch diesen Prozess der Romanisierung entstand spätestens im zweiten Jhd. n. Chr. eine keltisch-römische (gallorömische) Mischkultur, deren Überreste noch heute bewundert werden können, etwa das Gräberfeld der Kiesgräber im Wald bei Ferschweiler oder die noch erhaltenen Teile der römischen villa rustica, oberhalb von Burg Bollendorf gelegen. In dieser Zeit kam es in den bis dato ausgedehnten Wäldern zu ersten großen Rodungen. Dadurch wurden neue Anbauflächen für die Landwirtschaft gewonnen. Erstmals wurde auch in größerem Maße Obst- und Weinbau betrieben. Die Römer bevorzugten für ihre Siedlungen die sonnigen Hanglagen, an denen sie ihre Landgüter errichteten. 


Gegen Ende der Antike brachen härtere und unruhigere Zeiten an. Mit der zunehmenden Schwäche des Römischen Reiches stieg seit der Mitte des dritten Jahrhunderts die Bedrohung durch die über den Rhein drängenden germanischen Ethnien. Die Zeit der Völkerwanderung hatte begonnen und neue Herren eroberten die Südeifel. Ab der Mitte des 5. Jahrhunderts übernahmen die merowingischen Franken in weiten Teilen die grenznahen Gebiete von den Römern. 

Das Mittelalter

Diese Epoche in der Geschichte unserer Heimat kann nicht wirklich verstanden werden, ohne sich die Bedeutung des 698 n. Chr. gegründeten Benediktinerklosters Echternach klar zu machen. Noch heute sind in der ältesten Stadt Luxemburgs die beeindruckenden barocken Klosterbauten zu bewundern. 716 schenkte der Karolingerherzog Arnulf seinen Anteil an dem Ort, der später Bollendorf heißen sollte, an das einige Kilometer sauerabwärts gelegene Kloster. Seitdem und für annähernd 1100 Jahre gehörte Bollendorf zur Echternacher Grundherrschaft. Weitere fromme Schenkungen durch regionale Adelsfamilien folgten im 8. und 9. Jahrhundert.    
Im 9./10. Jahrhundert entstand anstelle eines römischen Kastells die Burg Bollendorf, die noch heute das Dorfbild prägt. Jahrhundertelang logierten hier die Äbte von Echternach oder deren lokale Stellvertreter.

 

Im hohen und späten Mittelalter residierte hier ein in Diensten des Klosters stehendes Rittergeschlecht, dass seine Spuren im heutigen Ortswappen hinterlassen hat (schwarzes Kreuz auf goldenem Grund).
Schon seit dem Frühmittelalter, im 6. und 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, wurde unsere Heimat in mehreren Schritten christianisiert. Am Beginn der entscheidenden Phase der Missionierung stand dabei die Gestalt des Missionsheiligen Willibrord (658-739). 
Im hohen Mittelalter (vom 10. Jhd. bis etwa 1250 n. Chr.) entwickelte sich Bollendorf allmählich zu einem größeren Dorf. Soziale Mittelpunkte des Ortes waren in dieser Zeit  einerseits der  Burgbering mit dem angrenzenden Ortsteil (dem heutigen "Bechel") und andererseits die im 12. Jahrhundert neu errichtete Pfarrkirche, gelegen auf dem Gelände des heutigen Gesundheitsszentrums in der Neuerburgerstraße.
Seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert gehörte Bollendorf zum neu entstandenen Herzogtum Luxemburg. Bei dieser politischen Zugehörigkeit sollte es viele Jahrhunderte bleiben.

Die Neuzeit

In dieser Epoche unserer Geschichte gestaltete sich das Alltagsleben der Menschen in der Südeifel nur wenig anders als im Mittelalter. Auch die grundsätzlichen politischen Rahmenbedingungen änderten sich nicht: Bollendorf war Teil der Grundherrschaft Echternach, in der Grafschaft bzw. im Herzogtum Luxemburg, das wiederum als Teil des Burgundischen Reichskreises zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation gehörte. Die Grafschaft Luxemburg wurde nun allerdings des öfteren fremder Oberherrschaft unterworfen. Schon im späten Mittelalter gehörte Luxemburg zu Burgund und wurde anschließend zu einem Teil der Spanischen Niederlande (seit 1555). Später (1714) fiel unsere Heimat als Teil der Österreichischen Niederlande an die nichtspanische Linie der Habsburger und wurde von Wien aus regiert. 


Die Frühe Neuzeit war alles andere als eine Friedensperiode. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) litten die Menschen unter den Grausamkeiten und Zerstörungen durch fremde Heerscharen. Das Dorf schrumpfte in dieser Notzeit: 1611 bestand Bollendorf aus 18 steuerpflichtigen Haushalten, 1656 nur noch aus 13. Auch im 17. Jahrhundert litt die Bevölkerung unter wiederholten Einfällen der französischen Truppen Ludwigs XIV. Manche Siedlungen im heutigen deutsch-luxemburgischen Grenzland  starben in diesen Zeiten aus und wurden zu Wüstungen, deren Überreste auch heute noch in den Wäldern der Region zu finden sind. Umso erstaunlicher ist, dass 1619 der Echternacher Abt Peter Richardot und 1632 sein Nachfolger Petrus Fisch mitten in Kriegszeiten umfangreiche Umbauten an der mittelalterlichen Burg vornahmen.


Erst im „Goldenen Zeitalter“ unter den Habsburgern im 18. Jahrhundert (1714-1794) kam es zu einer erneuten wirtschaftlichen und kulturellen Blüte. So wurde etwa 1716 eine Eisenhütte in der Nähe Bollendorfs gegründet: eine kurz Strecke saueraufwärts entstand die Altschmiede. Heute befindet sich dort ein komfortabler und moderner Campingplatz, der vor allem in den Frühlings- und Sommermonaten viele Gäste aus dem In- und Ausland ins Sauertal zieht. 
Nachdem die Grafschaft Luxemburg und mit ihm Bollendorf seit 1714 unter österreichische Herrschaft gekommen war, begann eine Epoche, die vor allem durch ihre Barockbauten bis heute das architekturhistorisch interessante Bild der Städte und Dörfer in der Grenzregion prägt. Auch die heutige Touristinformation in der Neuerburgerstraße, der Abteihof, entstand in dieser Zeit (1723). Der zeittypische Bau war ursprünglich das Haupthaus eines klostereigenen Gutshofes. Vor allem die sogenannten "Erbaueräbte" des Klosters Echternach erwiesen sich im 18. Jahrhundert geradezu als bauwütig. Bollendorf verdankt den frommen und kunstliebenden Klosterherren zwei weitere Umbauten der Burg (1738/ 1739 und 1768), wodurch weitestgehend die heutige Gestalt des Bauensembles erreicht war. 
Vor allem aber durch die Gründung der bis ins 20. Jahrhundert bestehenden Eisenhütte in Weilerbach (1776 bis 1779) und den Bau des benachbarten Schlosses Weilerbach (fertiggestellt 1780) haben die baufreudigen Reichsäbte bis heute Spuren in der Kulturlandschaft des Sauertales hinterlassen. 
Zu den herausragenden Bauten des 18. Jahrhunderts gehört auch die 1762 vollendete Schankweiler Klause auf dem Ferschweiler Plateau, ein Kleinod barocken Kirchenbaues, das vor allem durch sein fast gänzlich erhaltenes ursprüngliches Kircheninterieur zu beeindrucken weiß.

Die Zeitgeschichte

Nach dem verlorenen Weltkrieg mussten sich die Bollendorfer zunächst in neue und ungewohnte politische Strukturen einfügen, denn seit 1919 gab es die Weimarer Republik. Dass man aber immer noch sehr an den alten Zeiten hing, verdeutlicht das im 'nationalen Stil' neben der Pfarrkirche errichtete und 1925 eingeweihte Kriegerdenkmal. Nach dem Scheitern der Republik riss der seit 1933 tonangebende Nationalsozialismus auch Bollendorf und seine Bevölkerung mit in den Abgrund: 1945, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, war das Dorf zerstört, viele Menschen hatten als Soldaten oder auf der Flucht ihr Leben verloren; eine jüdische Bevölkerung Bollendorfs existierte nicht mehr. 74 Männer starben als Soldaten, 33 weitere wurden vermisst und 17 Zivilisten starben durch Kriegseinwirkungen. Die Nachkriegszeit war, vor allem in den ersten beiden Jahrzehnten, geprägt vom Willen zum Wiederaufbau, dem Bemühen um die  Integration  Heimatvertriebener, aber auch von der stillschweigenden Verdrängung des Gewesenen. 


Bollendorf wurde 1946 Teil des neu gegründeten Bundeslandes Rheinland-Pfalz und 1949 Teil der Bundesrepublik Deutschland. Seit Ende der 1940er-Jahre wurden neue Baugebiete erschlossen; die Siedlungsfläche des Dorfes erweiterte sich beträchtlich. Die Bevölkerung wuchs stetig. Zugleich verlor die Landwirtschaft als Erwerbszweig zunehmend an Bedeutung. Im Laufe der 1960er- und 1970er-Jahre wuchs die Bedeutung Bollendorfs als Fremdenverkehrsort. Große Investitionen wurden getätigt, um den Ort für Urlaubsgäste und potentielle Neubürger attraktiv zu machen (u.a. das große Freibad).  


Spätestens seit den 1980er Jahren wurden die wirtschaftlichen und sozialen Verbindungen zu Luxemburg wieder enger und viele Menschen aus der Grenzregion fanden ihr Auskommen im Großherzogtum. Dadurch stieg bei vielen alteingesessenen Familien der Lebensstandard allmählich in zuvor ungeahnte Höhen. Seit den 1990er-Jahren ist zudem ein verstärkter Zuzug von Menschen aus Luxemburg festzustellen, der Bollendorf zu einem multinationalen Wohnort gemacht hat. Heute stellen sich neue Herausforderungen, vor allem im Bereich der Integration und der Aufrechterhaltung des sozialen Miteinanders. 

Für einen detaillierteren Einblick in die wechselvolle Ortsgeschichte sei empfohlen:

Bollendorf Heimat im Grenzland von Paul Colljung.jpg

Paul Colljung:

Bollendorf, Heimat im Grenzland, Bollendorf 1988 


Dieses Werk des verstorbenen Lokalhistorikers bietet vor allem einen brauchbaren Überblick über die geschichtlichen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts. Das Buch ist nur noch antiquarisch zu beziehen.

Chronik zur Geschichte der Geminde Bollendorf von Dr. Michael Weidert.png

Michael Weidert:

Chronik zur Geschichte der Gemeinde Bollendorf, Bollendorf 2017 


Dieses Heft von knapp 50 Seiten entstand anlässlich der 1300-Jahrfeier und listet chronologisch die wichtigsten Ereignisse der Dorfgeschichte von der Vorzeit bis in die Gegenwart auf. Ergänzt wird die Faktensammlung zur Ortsgeschichte durch einleitenden Vorworte zu den einzelnen Epochen.

Es kann zum Preis von 10 Euro bei der hiesigen Touristinformation erworben werden.